Was ist Homöopathie
Homöopathie kommt aus dem Griechischen von homoin „gleich, gleichartig“ und páthos „Leid, Krankheit“. Als Geburtsjahr der Homöopathie gilt das Jahr 1796. Homöopathie ist ein wichtiger Teil der Naturheilkunde und bedeutet, dass eine Krankheit mit der Arznei behandelt wird, die am gesunden Menschen ähnliche Erscheinungen hervorruft. Es wird also nach einem Medikament gesucht, dass genauso krank macht,
wie die Krankheit selbst.
Mit Homöopathie wird gegen die Ursache der Krankheit vorgegangen und nicht gegen die Krankheit selbst. Viele Krankheiten kommen nach einer homöopathischen Behandlung weniger oft wieder als in der Schulmedizin. Eine Krankheit oder ein Symptom stellt in der Homöopathie einen „Helfer“ dar,
der mitteilt, was im Körper nicht stimmt.
Innerhalb der Medizin wird die Homöopathie als Regulationstherapie eingeordnet. Das bedeutet,
es wird nicht ein Ersatzmittel für fehlende Vitamine, Hormone oder Spurenelemente gesucht sondern vielmehr die Regulation und Harmonisierung der körpereigenen Funktionen durch eine
individuelle Arznei angestrebt.
Homöopathie ist eine wirksame und zudem schonende Behandlungsmethode, mit der es möglich ist,
sogar chronische Erkrankungen zu heilen. Die Wirksamkeit wird nicht nur auf den Körper beschränkt, sondern auch auf Geist und Seele.
In der Homöopathie wird ein Mensch als Ganzes betrachtet und nicht nur der erkrankte Teil wie in der Schulmedizin. Dahinter steht, dass äußerliche Krankheiten oft nur ein Zeichen dafür sind, dass der Mensch aus seinem inneren Gleichgewicht geraten ist, es also seiner Seele schlecht geht. Für dieses Ungleichgewicht können äußerliche Einflüsse wie Kälte, Schmutz und Gifte mitverantwortlich sein. Diese müssen selbstverständlich auch abgestellt werden, jedoch können die äußeren Einflüsse nicht so schädigend sein, wenn das innere Gleichgewicht stimmt.
Similia similibus curantur – dies ist der Therapieansatz der Homöopathie. Konkret heißt das, ein Arzneimittel, dass bei einem gesunden Menschen bestimmte Reaktionen hervorruft, heilt dieselben Symptome bei einem kranken Menschen.
Um die ähnlichste Arznei zu finden, muss zunächst ein vollständiges Bild des Patienten erstellt werden.
Mit den Informationen über Symptome, Vorlieben, Abneigungen, Besonderheiten und Auffälligkeiten findet der Homöopath die passenden Heilmittel.
Anschließend wählt der Homöopath die passenden Potenzierungsstufe, die Dosis und Art der Anwendung.
Wichtig für den Homöopathen und den Patienten ist ein erneuter Besuch des Patienten, um den Heilungsverlauf studieren zu können und eventuell anzupassen. Die Lebenssituation und Verfassung eines Menschen ändert sich ständig. Da Homöopathen nach Hahnemanns Schule ausschließlich mit Einzelmittel arbeiten, kann für einen bestimmten Zustand nur ein Mittel das ideale sein.
Homöopathie ist also eine Arzneimitteltherapie, die nach dem Ähnlichkeitsprinzip vorgeht und
auf vier Säulen ruht, die ihr eigentliches Wesen ausmachen:
- Ähnlichkeitsprinzip: das Arzneimittel muss in der Lage sein, genau das Krankheitsbild beim gesunden Menschen hervorzurufen, das es heilen soll – similia similibus curantur.
- Arzneimittelprüfung: Erkenntnisse über ein Arzneimittel werden durch Versuche am gesunden Menschen gewonnen
- individuelles Krankheitsbild: für die Wahl des richtigen Arzneimittels, wird der Mensch mit all seinen individuellen Besonderheiten berücksichtigt
- Gabenlehre: bei Übereinstimmung von Krankheitsbild und Arzneimittelbild gewinnt das Arzneimittel durch das Potenzierungsverfahren zusätzlich an Kraft
Um diesen Grundsätzen gerecht zu werden, verabreichen Homöopathen Substanzen in stark verdünnter Form, von denen bekannt ist bzw. angenommen wird, dass sie bei gesunden Menschen der Krankheit ähnelnde Symptome hervorrufen. Dieses Verfahren nennen Fachleute „Potenzieren“,
da angenommen wird, dass die verdünnte Substanz die Wirkung verstärkt und nicht abschwächt.
Berühmte Patienten waren Beethoven, Goethe und Paganini. Jedoch war die Homöopathie stets scharfen Angriffen der Schulmedizin ausgesetzt, da sich bis heute die Wirkmechanismen homöopathischer Arzneien naturwissenschaftlich nicht erklären lassen. Die wachsende Skepsis gegenüber der konventionellen Medizin hat in den letzten Jahren jedoch dazu geführt, dass sich immer mehr Patienten dieser Heilkunde anvertrauen.
Die Lehren Hahnemanns stellen eine sinnvolle Alternative zu den damaligen medizinischen Heilverfahren dar. Mikroorganismen waren damals als Krankheitserreger noch nicht bekannt.
Viele Mittel und Behandlungen, die im 17. Jahrhundert nach der alchimistisch geprägten Lehre des Paracelsus eingeführt wurden, gefährdeten den Menschen mehr als dass sie halfen.
Sogenannte Drastika mit Wirkstoffen wie Bleiacetat wurden verabreicht und nicht wenige Patienten starben an den Folgen.
Hier wurde Hahnemann in seiner Annahme bestätigt, dass ein Mittel nur geduldig anzuwenden ist und die Beschäftigung mit dem Patienten von großer Bedeutung ist. Aus chemischer Sicht waren Hahnemanns Mittel oft fast wirkstofflos, trugen jedoch zur Durchsetzung des sanfteren Weges der Medizin entscheidend bei.
1978 bekannte der deutsche Gesetzgeber im Arzneimittelgesetzt Homöopathie zum „Wissenschaftspluralismus der Medizin“, hierunter fallen neben der Schulmedizin die Therapierichtungen:
- Anthroposophisch erweiterte Medizin
- Homöopathie
- Phytotherapie
In Österreich wurde 1983 die Homöopathie anerkannter Teil der Medizin und 1999 erklärte die Schweiz die Homöopathie zu den fünf Klassen der Komplementär-Medizin. Somit wurden in der Schweiz die Kosten für homöopathische Behandlungen von der Krankenkassen-Grundversorgung übernommen, wenn ein Arzt diese Therapieform verordnete. 2005 wurde diese Regelung durch das Bundesamt für Gesundheit wieder gestrichen.
Ausschlaggebend hierfür war die Studie „Programm Evaluation Komplementärmedizin“.
Die Europäische Gesetzgebung sieht ein eigenes Zulassungsverfahren für homöopathische Arzneien vor.
Die Richtlinie 2004/27 verlangt den Aufdruck „homöopathisches Arzneimittel ohne genehmigte Heilanzeigen“.