Die Geschichte der Homöopathie

Dr. Samuel Hahnemann, am 10. April 1755 in Meißen geboren, gilt als Begründer der Homöopathie, deren Prinzipien um 1800 definiert wurden. Hahnemann studierte Medizin und Chemie und arbeitete als praktischer Arzt, was für ihn jedoch sehr unbefriedigend war und er begann, medizinische Werke zu übersetzten.

1790 entdeckte er Unstimmigkeiten in der Beschreibung der Chinarinde, welche damals ein Medikament gegen Malaria war. Daraufhin veröffentlichte er 1796 einen Aufsatz, in dem er seine Gedanken über „ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen“ darstellte. Er zeigte am Beispiel der arzneilich aufbereiteten Chinarinde, dass die Heilung durch ein bekanntes Medikament auf andere Weise möglich war, als bis dahin angenommen wurde. Mit Chinarinde wurde seinerzeit Malaria behandelt, hier vor allem das Fieber. Hahnemann stellte
in Selbstversuchen fest, dass bei ihm als Gesundem durch die Einnahme einer bestimmten Menge der aufbereiteten Chinarinde typische Malaria-Symptome wie Schweißausbrüche, Schüttelfrost und Fieber auftraten. Dieses „Ähnlichkeitsprinzip“ untermauerte er mit 51 weiteren pflanzlichen und 3 anorganischen Stoffen.

Die Grundlagen seiner Lehren veröffentlichte er in den Werken „Organon der Heilkunst“, „Materia Medica“ und „Chronische Krankheiten“.
Hahnemann wurde erst 1835 als Homöopath anerkannt und starb am 2. Juli 1843 in Paris.

Ab 1817 verbreitete sich die Homöopathie in weiteren Länder wie Österreich, Ungarn, Indien, England, Frankreich, Lateinamerika und Griechenland. Da die Homöopathie besonders in Frankreich sehr populär wurde, wurden Hahnemanns Werke ins Französische und Italienische übersetzt.

In der Zeit von 1819 bis 1837 wurde Homöopathie in Österreich durch Metternich behördlich verboten. In den USA wurden zeitweise Mitglieder aus medizinischen Gesellschaften ausgeschlossen, wenn sie mit Homöopathen zusammen arbeiteten.

1833 gründete der in Sachsen geborenen Constantin Hering mit anderen Homöopathen in Amerika die erste homöopathische Hochschule (Nordamerikanische Akademie der homöopathischen Heilkunst, Allentown).

In den USA wurde 1835 durch Hand Burch Gram die erste homöopatische Zeitung gegründet. Die erste nationale Ärztevereinigung, das American Institut of Homeopathy wurde 1844 gegründet.
Die erste Ausbildungsstätte für Frauen gab es 1848, das Homeopathy Boston Female Medical College.

1864, zum Ende des amerikanischen Bürgerkriegs, stand die Homöopathie in den USA in ihrer Blütezeit.
Bis Ende der 1870er Jahre gab es ca. 4000 homöopathisch Tätige. Um 1898 gab es 20 homöopathische Colleges, 140 homöopathische Krankenhäuser
und 57 homöopathische Ambulatoren, 100 homöopathische Gesellschaften und ca. 31 homöopathische Zeitschriften.
Der erste internationale homöopathische Ärztekongress fand 1876 in Philadelphia statt.
Neben Hahnemanns Arbeiten entstanden von James Tyler Kent weitere weltweit wichtige Arbeiten, wobei das bekannteste Werk sein Repertorium ist.

1970 gründete Gerogos Vithoulkas
(1932 in Athen geboren, dort als Ingenieur tätig) in Athen die
„Athenian School of Homoeopathic Medicine“, die zu einer Keimzelle der Homöopathischen-Renaissance wurde. 1996 erhielt Vithoulkas den Alternativen Nobelpreis.

1973 wurde auch in Indien die Homöopathie staatlich anerkannt. Hier gibt es 300.000 Homöopathen, 180 Colleges, 7.5000 government clinics und 307 Krankenhäuser.

In Frankreich wurde die Homöopathie 1965 durch das staatliche Gesundheitssystem anerkannt. Ein Drittel der dortigen Hausärzte verwenden homöopathische Mittel, deren Kosten und die der Behandlung durch die Anerkennung vom Gesundheitssystem übernommen werden.

In den 1830er Jahren praktizierten auch in Großbritannien homöopathische Ärzte. Seit 1950 trägt das staatliche Gesundheitswesen die Kosten. Homöopathie hat in Großbritannien ein hohes Prestige. Gestützt wird dies durch das öffentliche Eintreten der englischen Königsfamilie für diese Therapieform.

1843 wurde auch in Rio de Janeiro ein homöopathisches Ausbildungsinstitut gegründet. Seit 1980 ist Homöopathie in Brasilien staatlich anerkannt und an Universitäten vertreten.

In den 1970er Jahren begann in Deutschland der Aufschwung
der Homöopathie mit ca. 200 Homöopathen.
1996 waren es dann 3000 homöopathisch behandelnde Ärzte.

Hahnemanns Grundsatz „Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt“ gilt seitdem als Leitsatz für diese sehr häufig diskutierte alternative Heilmethode zur Schulmedizin.
Bereits die Bibel erzählt schon vom Heilen durch gleiche oder ähnliche Substanzen in „verdünnter“ Dosis. In 4Mo21,8-0 steht, dass Gott Moses in Ägypten eine metallische Schlange herstellen ließ.
Es heißt, dass jeder, der von einer Schlange gebissen wurde, durch den Anblick der Nachbildung geheilt werden konnte.
Hahnemanns Chinarinden-Versuch löste bei ihm einen Forschungsdrang aus. Er begann, weitere giftige Substanzen zu sich zu nehmen. Die auftretenden Symptome notierte er und behandelte später Kranke mit ähnlichen Symptomen mit diesen Stoffen.
Er verdünnte diese, um sie ihrer Toxizität zu berauben.
Zu seinem eigenen Erstaunen verminderte sich die Heilwirkung dadurch nicht, sondern schien sich eher zu verstärken.

Die Lehren Hahnemanns stellen eine sinnvolle Alternative zu den damaligen medizinischen Heilverfahren dar. Mikroorganismen waren damals als Krankheitserreger noch nicht bekannt.
Viele Mittel und Behandlungen, die im 17. Jahrhundert nach der alchimistisch geprägten Lehre des Paracelsus eingeführt wurden, gefährdeten den Menschen mehr als dass sie halfen.

Sogenannte Drastika mit Wirkstoffen wie Bleiacetat wurden verabreicht und nicht wenige Patienten starben an den Folgen.
Hier wurde Hahnemann in seiner Annahme bestätigt, dass ein Mittel nur geduldig anzuwenden ist und die Beschäftigung mit dem Patienten von großer Bedeutung ist. Aus chemischer Sicht waren Hahnemanns Mittel oft fast wirkstofflos, trugen jedoch zur Durchsetzung des sanfteren Weges der Medizin entscheidend bei.

1978 bekannte der deutsche Gesetzgeber im Arzneimittelgesetzt Homöopathie zum „Wissenschaftspluralismus der Medizin“, hierunter fallen neben der Schulmedizin die Therapierichtungen:

  • Anthroposophisch erweiterte Medizin
  • Homöopathie
  • Phytotherapie

In Österreich wurde 1983 die Homöopathie anerkannter Teil der Medizin und 1999 erklärte die Schweiz die Homöopathie zu den fünf Klassen der Komplementär-Medizin. Somit wurden in der Schweiz die Kosten für homöopathische Behandlungen von der Krankenkassen-Grundversorgung übernommen, wenn ein Arzt diese Therapieform verordnete. 2005 wurde diese Regelung durch das Bundesamt für Gesundheit wieder gestrichen.
Ausschlaggebend hierfür war die Studie „Programm Evaluation Komplementärmedizin“.

Die Europäische Gesetzgebung sieht ein eigenes Zulassungsverfahren für homöopathische Arzneien vor.
Die Richtlinie 2004/27 verlangt den Aufdruck „homöopathisches Arzneimittel ohne genehmigte Heilanzeigen“.