Laienhomöopathie

Im 19. Jahrhundert wurden viele Menschen des Adels und der gebildeteren Schichten Anhänger der Homöopathie. Auch viele Pfarrer und Gutsbesitzer sowie Kaufleute trugen zur Ausbreitung der Homöopathie bei. Ende der 1820er Jahre erschien die sog. homöopathische Hausarztliteratur, in der die Behandlung häufiger Krankheiten mit einfachen Mitteln beschrieben wurde.
Ab ca. 1830 gab es auch eine Reihe von Zeitschriften, die sich an die Laien richteten.
Zeitgleich wurden die ersten „Laienvereine“ gegründet. Diese Vereine boten, neben Geselligkeit und Freizeitvergnügen, Zugang zu homöopathischem Wissen und Behandlungen in Form von Selbsthilfe. Interessant waren die Laienvereine durch ihre homöopathischen Vereinsapotheken, die Vorräte an homöopathischen Arzneien in tiefen Potenzen beinhalteten. An diesen Apotheken konnten sich die Vereinsmitglieder bedienen, was jedoch juristisch umstritten war und schließlich untersagt wurde.

In den 1920er Jahren erfuhren alternative Heilmethoden einen Aufschwung und auch die Laienvereine gewannen eine Reihe neuer Anhänger. Der Dachverband, der „Reichsbund für Homöopathie und Gesundheitspflege“, umfasste 1930 348 Vereine mit insgesamt 38.200 Mitgliedern.

Der Nationalsozialismus machte sich diese Massenbewegung für seine eigenen Ziele zu Nutze.
Zum Ende des Dritten Reiches war das Laienwesen jedoch weitreichend zerstört.
Die nach dem 2. Weltkrieg wieder gegründeten Vereine erreichten nicht annähernd die frühere Bedeutung.

Mitte der 1970er Jahre erlebte die Laienbewegung erneut ein Comeback. Homöopathische Arzneien sind zwischenzeitlich rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Klassische Homöopathen warnen allerdings vor der Behandlung scheinbar harmloser Krankheit durch Laien, da auch Homöopatika eine allopathische Wirkung haben können.